Kulturarbeitstiere – Kulturarbeiter*innen stellen sich vor

Antonia ist im NaiMo (Nachbarschaftstreff im Moselviertel) in Weißensee für den Frei-Zeit-Haus e.V. in der Gemeinwesenarbeit tätig und absolviert parallel dazu ihr zweites Studium im Online-Studiengang Soziale Arbeit.

Antonia, wie bist Du auf die Gemeinwesenarbeit gekommen?

Ich war zunächst in der Kulturwissenschaft tätig, doch meine Tätigkeit in dem Bereich erfüllte mich nicht so und ließ sich auch nur schwer mit meiner Familie vereinbaren. Aus diesem Impuls heraus orientierte ich mich in Richtung Soziokultur und baute, gemeinsam mit anderen Motivierten, dieKulturMarktHalle auf. Das ist ein transkultureller Ort für Kunst, Kultur, Arbeit und Leben in Berlin. Der Verein setzt sich für eine lebendige, sich unterstützende Nachbarschaft ein und gibt sowohl den alteingesessenen Anwohner*innen als auch den neuzugezogenen Raum zur eigenen, aktiven Gestaltung ihrer Umwelt. Über meine Tätigkeit dort habe ich dann entschieden Soziale Arbeit zu studieren – was mir beruflich viele neue Möglichkeiten eröffnet. Mittlerweile bin ich im Bereich der Stadtteilarbeit in Weißensee für den Frei-Zeit-Haus e.V. aktiv.

Wie sieht ein Arbeitstag bei Dir aus?

Den gibt es zurzeit nicht. Ich bin gerade dabei gemeinsam mit zwei Kolleginnen einen Nachbarschaftstreff in einem sehr spannenden, inklusiven Quartier (Quartier WIR) aufzubauen. In Bezug auf meine Arbeit damals in der KulturMarktHalle bestand mein Arbeitsalltag vor allem aus der Projektkoordination. Darüber hinaus war ich zuständig für die Fördermittelakquise und für unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, die essentiell für das Projekt, aber auch ganz grundsätzlich wichtig in der Gemeinwesenarbeit sind. Zudem habe ich dort die Gründung einer Offenen Werkstatt vorangetrieben und mehrere Upcycling und Urban Gardening Projekte geleitet.

Was findest Du an der Gemeinwesenarbeit besonders interessant?

Die Theorie, die ich im Laufe meiner Ausbildung lerne oder gelernt habe, praktisch ausprobieren und anwenden zu können. Gerade die Projektarbeit macht sich in diesem Punkt bezahlbar, da es immer wieder sehr stark um die Wirkung und Zielerreichung von Projekten geht. Mich motiviert die Gemeinwesenarbeit zudem immer wieder aufs Neue, da ich die Effekte meiner Arbeit so konkret miterleben kann: Wir bringen Menschen zusammen, schaffen Verbindungen und ermutigen zur aktiven Mitgestaltung. Dabei können wir die Entwicklung, die Menschen, Projekte oder Initiativen durchlaufen, direkt verfolgen und unterstützen. Die Schnittstelle von Kultur und Sozialer Arbeit und die Möglichkeit, mich in meinem Beruf für mehr soziale Gerechtigkeit einsetzen zu können, macht dieses Arbeitsfeld für mich so wichtig und besonders.

Danke Antonia!


Was machen unsere Kulturarbeiter*innen eigentlich, wenn sie das Studium absolviert haben und die FH verlassen? Welche Berufe nehmen sie auf und wohin verschlägt es sie? Antworten hierauf findet Ihr ab sofort in unserer neuen Porträtreihe „Kulturarbeitstiere – Kulturarbeiter*innen stellen sich vor“. In unserer monatlich erscheinenden Reihe werden wir verschiedene Alumni aus unserem Verein vorstellen und Euch einen kleinen Einblick in ihren Arbeitsalltag gewähren. Die Porträts werden auf FacebookInstagram und auf unserer Website zu sehen sein.

Foto: © Johanna Paliege